Bereits am vergangenen Freitag war Frank Schmidt, Vorsitzender der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) im Bezirk NRW, zu Gast in Gütersloh.
Zwar saßen die GDL und die Bahn AG am Montag letzter Woche wieder an einem Tisch, aber, so Frank Schmidt, „es wurde bisher kein Wort über Geld und Arbeitszeit gesprochen.“
Sollten die Verhandlungen scheitern, wird DIE LINKE. auf Seiten der Lokomotivführer stehen.
Warum das so ist, wird deutlich, wenn man sich die Kontrahenten näher anschaut. Frank Schmidt konnte mit vielen Fakten dazu beitragen.
Auf der einen Seite die GDL, in der 80 % der gut 19.000 Lokomotivführer organisiert sind, dazu 30 % der Zugbegleiter. Mit 1960,- € brutto fangen die Lokführer an. Wenn sie für die Bahn-Zeitarbeitsfirma arbeiten, müssen sie sich mit 8,50 € je Stunde begnügen. Seit Mitte der 90er Jahre sind die Löhne um real 9,4 % gefallen. Für ihre 41-Stundenwoche sind die Lokführer oft bis zu 60 Stunden unterwegs. Und wenn sie das Pech haben, in einen der Bahnunfälle oder Selbstmorde mit jährlich 700 Toten verwickelt zu werden und nicht in der Lage sind, jemals wieder eine Lok zu führen, landen sie schnell bei Hartz-IV.
Auf der anderen Seite die Bahn AG, übrigens noch im Besitz des Bundes. Deshalb in der Verantwortung der Bundesregierung, zu der immer noch die SPD gehört!
Die Bahn AG ist das zweitgrößte Transportunternehmen der Welt, nach der Deutschen Post AG! Ein Moloch aus über 300 eigenständigen Firmen, mit 160.000 Beschäftigten (von einst 560.000) im Kernbereich, einem Jahresgewinn von 2,5 Milliarden € und einem Vorstandschef, dessen 3,2 Millionen-€ Jahresgehalt in krassem Widerspruch zu seiner Beliebtheit steht. 22 Prozesse hat die Bahn AG gegen die GDL geführt, um das Streikrecht auszuhebeln. Die Bahn beschwört die Tarifeinheit, duldet aber 164 Tarifverträge im Konzern, davon sind allein 30 auf Zugbegleiter anwendbar.
Auf der anderen Seite leider auch die DGB-Gewerkschaft Transnet. Von bösen Zungen als „der verlängerte Arm der Deutschen Bahn AG“ bezeichnet. Noch im Sommer feierte deren Chef Hansen den 4,5 %-Abschluß als „Jahrhundertergebnis.“ Nach dem Streik der konkurrierenden GDL will er jetzt 10 % mehr.
Aber warum diese Härte der Auseinandersetzung zwischen Bahn und GDL?
Die Privatisierung der Bahn steht bevor. In diesem Punkt stieß die Position von Frank Schmidt auf Widerspruch. Die GDL plädiert zwar für ein Schienennetz in öffentlichem Besitz, hat aber den Widerstand gegen die Privatisierung des Personen- und Güterverkehrs aufgegeben.
Hier ist DIE LINKE. anderer Meinung. 49 % des rund 180 Mrd. € wertvollen „Staatsunternehmens“ sollen für weniger als 10 Mrd. € an private Investoren, Fonds oder Gasprom verscherbelt werden. Der sicher größte Raub der Eisenbahngeschichte! Der Beschluss der SPD, lieber 25 % der Aktien als Volksaktien zu verkaufen, ist der Gipfel der Dreistigkeit.
Viele Generationen haben das Unternehmen Bahn aufgebaut. Der Aufbau wurde durch unsere Arbeit, unsere Steuergelder und unsere Fahrgelder ermöglicht. Jetzt sollen wir das Ergebnis jahrzehntelangen Mißmanagements noch mal bezahlen und „Volksaktien“ ohne Stimmrecht kaufen oder gar alles „verschenken“, um die Profite der neuen Besitzer zu sichern?
Da gibt es nichts zu diskutieren!
Warum auch? Die Bahn hat Zukunft: Der Straßenverkehr steht durch die rasante Zunahme des Güterverkehrs vor dem Kollaps. Dazu die Klimakatastrophe.
Der Traumberuf hat ohne Zweifel Zukunft!
DIE LINKE.GÜTERSLOH unterstützt die Forderungen der Lokführer und sagt deutlich Nein zur Privatisierung der Bahn. Mehr zur Linken im Kreis Gütersloh unter die-linke-guetersloh.de
Petra Gotthardt, Michael Pusch, Kreisvorstand DIE LINKE.GÜTERSLOH