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Todsichere Karrieretipps in Gütersloh!

Es war wieder so weit! Wie schon im August letzten Jahres wurden wieder „Action und Erlebnis“ geboten. Das und ein „Karriereangebot“ versprach der „größte Arbeitgeber Deutschlands“, der von Donnerstag bis Samstag mit seinem Info-Truck auf dem Landesturnfest in Gütersloh vertre-ten war. Das Unternehmen sei auch für ungelernte Kräfte attraktiv, biete Ausbildungsplätze in rund 100 Berufen und etwa 30 Studiengänge, so ist dem Infomaterial zu entnehmen. Zur Zeit ist das „Unternehmen“ mit über 6000 Mitarbeitern in 11 Ländern aktiv. Tausende, wenn nicht gar Zehntausende, werden in den nächsten Jahren hinzukommen.
Da war doch das Landesturnfest eine gute Möglichkeit, den überwiegend jugendlichen Besu-chern dieses Unternehmen vorzustellen. In Zeiten von Arbeitslosigkeit, fehlenden Ausbildungs-plätzen, Bildungsmisere und Studiengebühren ist so eine „Karriere mit Zukunft“ doch eine tolle Sache!
Um so überraschter waren die Veranstalter über den spontanen Protest von rund 25 überwie-gend jugendlichen Besuchern. Protestiert wurde friedlich und fantasievoll gegen die eigentliche Aufgabe dieser „Firma“: Denn hinter „Action und Erlebnis“ verbergen sich Krieg und Zerstörung. Zu Gast in Gütersloh war nämlich die Bundeswehr.
2 ½ Stunden lang bestimmte die Clownsarmy das Geschehen. Selbst den Panzer „eroberten“ die mit Staubwedel, Luftschlangen und Wasserpistolen „bewaffneten“ Clowns. Währenddessen forderten andere Teilnehmer „Hilfsaktionen statt Militärinterventionen“.
„Wir sehen unserer Aufgabe darin, vor allem den Jugendlichen die andere Seite der Medaille aufzuzeigen. Wir fordern ein Ende der zahlreichen milliardenschweren Aufrüstungsprojekte und eine drastische Kürzung der Rüstungsausgaben. Das Geld wird dringend gebraucht zur Schaf-fung von Ausbildungsplätzen und zivilen Arbeitsplätzen,“ so Marco Lehmann, Sprecher der Linksjugend SOLID im Kreis Gütersloh. In Zeiten hoher Jugendarbeitslosigkeit werden  60 Pro-zent der jährlichen RekrutInnen über solche Reklameeinsätze gewonnen. Vor allem in Arbeits-agenturen soll die Erfolgsquote sehr hoch sein. Dabei wissen die jungen Menschen oft nicht, was auf sie zukommt. Wer das Töten lernen muss, darf nicht zimperlich sein! Gewaltsame Übergriffe, Demütigungen, sexuelle Belästigungen, Beleidigungen und Quälereien sind keine Einzelfälle in der Bundeswehr.
Scheinbar haben sich die Veranstalter des Landesturnfestes täuschen lassen. Andernfalls wäre es ein Fall grober Verantwortungslosigkeit, wenn die Bundeswehr solch ein überwiegend von Familien, Kindern und Jugendlichen besuchtes Sportfest für ihre Zwecke mißbrauchen konnte!
Erinnern wir uns: Die von Konrad Adenauer betriebene Wiederbewaffnung der Bundesrepublik konnte nur gegen erheblichen Widerstand durchgesetzt werden. Der Bundeswehr wurde des-halb im Grundgesetz die rein defensive Aufgabe der Landesverteidigung zugeschrieben.
Im „Weißbuch 2006“ der Bundeswehr sind aber ganz andere Aufgaben der Bundeswehr ge-nannt: Die Sicherung des „freien und ungehinderten Welthandel“ und des „Zugangs zu Ener-gie“.  In  Afghanistan erfolgt inzwischen die Ausweitung des Einsatzes durch die Entsendung deutscher Soldaten in den Westen des Landes. Aber auch in Nordafghanistan wird der Krieg für die Bundeswehr blutiger werden.  In wenigen Tagen werden über 200 Soldaten der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ aus  Augustdorf norwegische Kampftruppen der schnellen Eingreiftruppe (Quick Reaction Force/QRF) ablösen. Dieser Kampfverband trägt die Hauptlast der blutigen Kämpfe mit „Aufständischen“ im Norden des Landes. Das die angepriesene Karriere künftig immer häufiger auf dem Soldatenfriedhof enden wird, davon war natürlich keine Rede auf dem Turnfest.
Beschämend, dass selbst in Gütersloh anwesende Soldaten nichts von ihren im Weißbuch 2006 genannten Aufgaben wußten. Von wegen „mündiger Bürger in Uniform“!
DIE LINKE. unterstützt alle gewaltfreien Aktionen gegen die Versuche der Bundeswehr im Kreis Gütersloh neues „Kanonenfutter“ anzuwerben. Die Bundeswehr hat auf diesem Sportfest eben-sowenig zu suchen wir bei der GT Aktiv GmbH, im Versmolder Rathaus oder in den Schulen!  
Michael Pusch, Sprecher DIE LINKE. KREIS GÜTERSLOH